„Früher war alles besser?!“:
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Ein Rückblick, welcher mir das heutige Larp versüsst.

Seit meinem Einstieg im Larp im Jahr 2000 hat sich zu 2017 einiges verändert.
Was waren, aus meiner Sicht, die einschneidensten Unterschiede zum „modernen“ Larp?

Vorbemerkung:
Larp ist ein einheitlicher Begriff, aber die Qualität von Gewandungen und Ausrüstung sind unregelmäßig in Deutschland verteilt. Besonders in der Frühzeit des Larp, gab es scheinbar eine Kluft von Nord Larp und Süd Larp in Deutschland. Hier aus Sicht Schleswig Holstein.

Retrovision in Bildern:
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Typisch im Jahr 2000:

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a) Waffen:
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a1) Latexwaffen versus Bofferwaffen:
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Aller Anfang ist die Tape alias Boffer Waffe!

Tape, Schaumstoff jeder Art und dazu einen Kernstab aus Holz oder Bambus (Tape verstärkt).
Klingt wie es ist:
Einfach, billig, kreativ, aber teils auch gefährlich.


(Quelle: https://draconis207.deviantart.com/art/boffer-arsenal-3-124484267 )
Vermissen kann man aber die kreativen Waffen, wie z.B. Tape Möbel zum kämpfen oder Kettenwaffen und effektiv nutzbarer Parrierstab mit Kern.

a2) Pfeile und Sicherungen:
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Es gab noch nicht die sogenannten „IDV-Sicherheitspfeile“ zu kaufen.
Pfeile beim Larp waren ausschließlich Eigenbauten und unterliefen einen eigenem Waffen Check.
Auch wurden Bögen bis zu bestimmten Stärken mit einer Zugwage abgemessen.
Häufigste Pfeilsicherung mit Druckverteiler war diese hier:

(Quelle: http://www.aratan.de/pfeilbau.html )
Das alte Design war ein Vorläufer.

Hinweis zu Sicherheitspfeilen:
Aber auch IDV Sicherheitspfeile sind nur ein Markenname und keine echte Sicherheitsgarantie, denn es gibt ja noch den menschlichen Benutzer.
Auf der Con TOF 4 wurde mir z.B. die erste Generation der „Tropfenform IDV Sicherheitspfeile“ ins Auge geschossen, 90 Prozent Netzhautablösung und Gefahr des grünen Starrs – Heilungsdauer ca 18 Monate.
Zum Glück hat es überhaupt geheilt.
Bei einem Kauf empfehle ich, wenn überhaupt, die IDV Flachkopf Pfeile und als Orga verbieten wir aus Erfahrung ale Rundkopf Pfeil Arten.

a3) Der Waffen Check durch die Orga:
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Wo ist der Waffen Check geblieben?

Problem Waffen Check bis  2007:

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Es gab einen einfachen Vorfall auf dem Conquest of Mythodea 2008.
Live Adventure ist der Veranstalter und eigentlich unabhänig von dem Shop Mytholon zu sehen.
Die ersten Chargen der Waffengruppe „Hammerkunst“, Gusswaffen, waren zu hart für den Larp Kampf.
Der Waffen Check von Live Adventure stand in der Verantwortung und hat einen Schnitt gemacht.
Alle Hammerkunst Waffen der schlechten Chargen wurden verboten!
Mytholon hat aber diese Waffen stark vergünstigt auf der COM 08 verkaufen wollen, aber die Spieler konnten vom Gelände verband werden, wenn Sie diese HK Waffen einsetzten.

Lösung Waffencheck 2008:

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Der Waffen Check von Live Adventure steht nicht mehr in der Verantwortung.
Es gibt keinen (kostenintensiven) Waffen Check mehr, statt dessen gibt es neue AGBs.
Die AGBs geben die Verantwortung, eigentlich sinnig, an die Spieler weiter.
Viele private Orgas folgten den Beispiel die Spielerverantwortung zu steigern und Aufwand der Orga zu mindern.

Früher im Jahr 2000:

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Ja, es gab Waffencheck und bei der Masse an Selbstbauten war er notwendig.
Hat aber auch bei der Kontrolle selbst Waffen kaputt gemacht, bzw angebrochene Waffen den Toderstoß gegeben.
Hauptproblem waren die unterschiedlich sicheren Kernstäbe und Sicherungen dieser Zeit.
Die Normierung auf GFK, Fieberglas Kernstäbe kam in den folgenden Jahren als Regel durch.

b) Gewandung:
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b1) Häufigste Gewandungen:
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Nolstalgisch wird man hier schnell:
Piratenhemden und Lederhosen (als Rüstung gewertet) waren verdammt oft gesehen auf Spieler Seite.
Gerade die Schnürhosen und schwarzen Augen Schatten waren im Jahr 2000 im Trend.
Später immer wieder im Fundus der NSC Ausrüstung als Spieler Geschenk an Orgas zu finden.

Einfache Wappenröcke verdecken das Fehlen von Ambiente Gewandung zu dieser Zeit zuverlässig und sorgten in Zeiten ohne Stangenware für Mittelalterfans für Einheitsklamotten.

(Quelle: http://www.uros.de)

b2) Material Verwendung:
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Kleidung muss knistern!

Statt Naturstoffe wie Leinen zu verwenden, ist z.B Pannesamt im Jahr 2000 noch stark  vertreten.

(Quelle: https://www.kleiderkreisel.de/damenmode/lange-pullover/141866414-mittelalter-pannesamt-oberteil-3840-m-larp-pulli)

c) Rüstungen:
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c1) Beliebteste Rüstungen:
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Leder, Pressleder und Blech Platten.

Oft tragen höchstens Ritter mal ein in DM-Zeiten sehr teures, handgefertigtes Kettenhemd von einem Mittelalter Markt oder ersten Larp Online Shops, welche mit Indien Importen günstige Alternativen beginnen.
Dazu gibt es häufiger Plättchen Rüstungen, ein Merkmal dieser Zeit.

(Quelle: http://www.uros.de)
Auch Plattenrüstungen sind auf Cons zu finden, aber noch keine gute Stangenware aus Indien.

So hat zum Beispiel Hammerkunst.de, der Vorläufer von wimmern-arts.de bereits meisterliche Rüstungsprojekte umgesetzt.
Beispiel Hammerkunst Schwertmeister Rüstung links im folgenden Bild – damals noch starker Kontrast der Ausrüstungen von Larpern. Im Trend waren noch scharfe Kanten und Spitzen, gegenüber dem heutigem Trend, alle Kanten so zu gestalten, dass keine Larp Waffen zerstört werden bei Kontakt.

(Quelle: http://www.uros.de)

d) Zelte:
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Wie heute 2017, sind Sahara Zelte, auch Alex Zelte genannt, auf dem Vormarsch gewesen.
Der Unterschied – es gab auf einigen Cons viele OT Zelte, teils sogar 50% IT Zelte und 50% OT Zelte.
Leider gibt es davon gerade keine Bilder zu finden, denn im Analog Fotografie Zeitalter waren Bilder teuer.

e) Charaktere:
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Purer Regelwerksfetischmus, damals 😉

e1) Zählung der Contage:
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Damals oft:
Contage = Macht = Plot!

In Regelwerken wurde mit Hilfe von Contagen (24 Stunden Intime= 1 Contag) ein Charakterbogen nach jeweiligem Regelwerk erstellt. Ganze Contage Excel Listen wurden im Ordner und online geführt, um den Orgas Nachweise der Contage zu erbringen.

(Quelle mit Diskussion: http://phoenixbanner.de/?p=2017)
Im Zeitalter von DKWDDK (Du Kannst, Was Du Darstellen Kannst) mag das komisch klingen.

e2) Kampfansagen Schaden:
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Mit nur einem Schlag jeden Spieler erschlagen…

„4 Direkt!“ (sagt der Dämon zum Ritter und fasst ihm auf die Brust)

Ansagen im Kampf wie „2 – Gesegnet!“ waren an der Tagesordnung im Kampf.
Der Gegner erfuhr den Schadenswert als Zahl gesprochen (meist in Höhe 1 bis 5).
Dazu ein Schadensattribut wie gesegnet, heilig, vergiftet, dunkel und ähnliches.
Ziel war Spielern Charakterschadensentwicklung zu ermöglichen auf der einen Seite,
auf der anderen Seite ohne SL Aufwand einen NSC in einen Endgegner NSC zu verwandeln.
Fremdrassen wie Orks werden einfach grün geschminkt, fertig, kriegen alle Schaden +1.
Elfen und Dunkelelfen Trends, die Farbe schwarz dominiert bei Spielern, gab also für die Rassen vergiftete Klingen inklusive und dunkle Segnungen der Waffen.

(Quelle: http://www.uros.de)
Es gab Todesquoten von Spielercharakteren auf bestimmten Schlachten Cons, welche die Orga entscheidet.

Der Tod des Spielers war fast immer Orga bestimmt, nicht Spieler bestimmt.

Es gab wirklich Spieler mit „haufenweise“ Artefakten zur Steigerung der Kampf Punkte.
Amulett (Oger Körper Stärke +1), Trank (Unsichtbarkeit, Levitation), usw.
Wie in PC Rollenspielen üblich, so auch im Larp, damals.

Regelwerksvorteile, wie oben genannt, waren in Verbindung mit WURFDOLCHEN eine todbringende Gefahr.

f) Cons:
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Telling (erzählte Ansage der Spielleitung, was ein Spieler sich vorstellen soll) dominiert oft den Plotverlauf.
Es gab vergleichsweise wenige Larp Cons und noch keine Internet Kommunities, aber Foren, welche die Tricks zur Darstellung mit einander teilten.

„Ihr seht an dieser Stelle einen riesigen, schlafenden Ent, mit einem leuchtenden Stein an seiner Verbindung zur Erde.“

(Quelle: http://www.chipscholz.com/2013/01/29/5-keys-to-telling-leadership-stories-that-sizzle/)

g) Shops:
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Einkaufmöglichkeiten sind begrenzt auf Märkte und eine Hand voll Online Anbieter.
Schatzkammer, Anderswelt und Drachenei gehörten zu den Bekanntesten Versorgern.
Larpmünzen wurden zu dieser Zeit nur an im Larpkalender.de gemeldete Orgas verkauft, nicht an Spieler direkt, wie es heute üblich ist. Später kam es aus diesem Grund zu einer Münzen Inflation durch direkte Spieler Verkäufe.

Der Tom von Rabenschnabel aka Fantastic Artworks (leider geschlossen) hat zu dieser Zeit meine liebsten Larp Waffen gebaut, von denen noch immer einige mit frischem Latex im Einsatz sind.
Hier auf Frankothingen 1 zu sehen, auf einer meiner ersten Cons, nach TOF Regelwerk.

(Quelle: http://www.uros.de)

h) Fotografie:
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Analoges Zeitalter. Es gibt nur Scans von Bildern aus dieser Zeit.
Keine Smartphones oder Handys mit ersten Foto Möglichkeiten.
Bilder von Cons sind spärlich im Internet zu finden, Videos noch seltener.
Kein Youtube, aber Netzwerke wie Emule, wo bereits erste Larp Videos, wie das bekannte und berüchtigte Lightning Bolt Video.

Es zeigt gut, wie es im Jahr 2000 auf Nord Cons, welche wir besuchten auch aussah.

Ich hoffe euch hat der Rückblick gefallen.
Wir freuen uns über „Likes“ und Kommentare.

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